Eagles & Shadows – Wenn der Winterwald lebendig wird

Draußen ist es noch vollkommen dunkel. Der Schnee knirscht unter den Schuhen, irgendwo im Wald ruft ein Rabe – und vor uns liegt ein langer Tag, an dem eigentlich alles passieren kann.

Genau darum geht es bei Eagles & Shadows.

Kein Rundreiseprogramm. Keine ständig wechselnden Fotospots. Kein hektisches Weiterfahren von Motiv zu Motiv.

Diese Reise ist pure Hidefotografie.

Wir betreten den Winterwald lange vor dem ersten Licht, richten unsere Kameras ein und ziehen uns zurück. Ab diesem Moment bestimmt die Natur den Ablauf.

Vielleicht erscheint zuerst ein Mäusebussard.

Vielleicht landen Raben.

Vielleicht bleibt der Wald lange still.

Und dann taucht plötzlich diese mächtige Silhouette zwischen den Bäumen auf.

Ein Seeadler.

Wenn der König des Winters landet

Es gibt wenige Situationen in der Wildlife-Fotografie, die mit einem landenden Seeadler vergleichbar sind.

Ein kurzer Schatten zieht über den Schnee.

Die Flügel öffnen sich.

Krallen werden nach vorne gestreckt.

Und für wenige Sekunden scheint dieses gewaltige Tier den gesamten Bildausschnitt auszufüllen.

Dann heißt es ruhig bleiben.

Keine hektischen Bewegungen. Keine unnötigen Kameraschwenks.

Seeadler beobachten ihre Umgebung sehr genau. Gerade in den ersten Minuten entscheidet oft unser Verhalten darüber, ob sie bleiben oder wieder verschwinden.

Die Erfahrung aus unseren bisherigen Touren hat uns immer wieder gezeigt: Geduld ist hier wichtiger als Geschwindigkeit.

2024 saßen zeitweise mehrere Adler in den umliegenden Bäumen und beobachteten das Geschehen, bevor einzelne Tiere schließlich vor den Hides landeten. Am zweiten Tag setzte Schneefall ein und genau daraus entstanden jene Bilder, die man sich für einen Winterworkshop wünscht: Seeadler in einer fast monochromen Landschaft, Schneeflocken in der Luft und diese besondere gedämpfte Lichtstimmung.

Und irgendwo da draußen sind die Wölfe

Inzwischen hat diese Reise aber noch eine zweite Dimension bekommen.

Wölfe sind im Gebiet mittlerweile häufiger unterwegs.

Sie nutzen die Landschaft regelmäßig und hinterlassen ihre Spuren im Schnee. Immer wieder gibt es Beobachtungen rund um die Fotobereiche.

Damit bekommt der Name Eagles & Shadows eine ganz neue Bedeutung.

Denn während wir auf die Adler warten, bleibt immer diese kleine Frage im Hinterkopf:

Was bewegt sich gerade dort hinten zwischen den Bäumen?

Ein Wolf vor dem Hide ist und bleibt eine außergewöhnliche Begegnung und selbstverständlich niemals planbar.

Aber genau das macht sie so besonders.

Vielleicht bleibt es bei Spuren.

Vielleicht bei einer kurzen Bewegung im Wald.

Vielleicht erscheint tatsächlich für wenige Sekunden ein Wolf auf der offenen Fläche.

Dann verändert sich im Hide schlagartig alles.

Plötzlich hört man nur noch den eigenen Herzschlag.

Die Schatten des Waldes

Der Wolf ist dabei nicht der einzige mögliche Überraschungsgast.

Auch Füchse ziehen durch das Gebiet.

Raben gehören fast selbstverständlich zum Geschehen und sind mit ihrem Verhalten fantastische Fotomotive. Mäusebussarde erscheinen regelmäßig und liefern oft über längere Zeit sehr gute Möglichkeiten für Portraits, Flugaufnahmen oder Interaktionen.

Gerade deshalb ist dieser Workshop mehr als ein reiner Adleransitz.

Man beginnt irgendwann, die kleinen Veränderungen wahrzunehmen.

Die Raben werden plötzlich unruhig.

Ein Bussard schaut immer wieder in dieselbe Richtung.

Für einige Sekunden ist alles verschwunden.

Solche Momente sorgen dafür, dass man automatisch genauer hinsieht.

Denn manchmal kündigt sich ein großer Besucher an, bevor man ihn überhaupt entdeckt.

Fotografieren in Stille

Hidefotografie hat ihren ganz eigenen Rhythmus.

Man verbringt viele Stunden auf engem Raum.

Man wartet.

Beobachtet.

Trinkt einen Kaffee.

Schaut wieder hinaus.

Und irgendwann hört man auf, ständig auf die Uhr zu sehen.

Dann beginnt man wahrzunehmen, wie sich das Licht verändert, wie Tiere miteinander kommunizieren und welche kleinen Verhaltensweisen sich immer wieder wiederholen.

Gerade für die Fotografie ist das unglaublich wertvoll.

Denn wenn ein Adler schließlich landet, haben wir Zeit gehabt, unseren Bildausschnitt vorzubereiten, die Einstellungen zu überprüfen und eine Vorstellung davon zu entwickeln, welches Bild wir eigentlich machen möchten.

Winterlicht statt Sonnenscheingarantie

Natürlich wünschen wir uns Schnee.

Und natürlich wäre ein Seeadler bei Schneefall perfekt.

Aber dieser Workshop lebt nicht vom blauen Himmel.

Im Gegenteil.

Bedecktes Winterlicht, leichter Schneefall oder Nebel können eine Stimmung erzeugen, die zu diesen mächtigen Greifvögeln hervorragend passt.

Der Bericht unserer ersten Tour bringt es eigentlich perfekt auf den Punkt:

„Bei Sonne kann jeder.“

Gerade das diffuse Licht eines Wintertages kann aus einem Adlerportrait ein atmosphärisches Bild machen.

Dunkler Wald.

Heller Schnee.

Ein paar Schneeflocken.

Und mittendrin ein Seeadler.

Mehr braucht es manchmal nicht.

Wildlife gibt keine Garantien

Vielleicht sitzen mehrere Adler vor uns.

Vielleicht kommt nur ein einziger.

Vielleicht sehen wir sie lange in den Bäumen, bevor sich einer entscheidet zu landen.

Vielleicht überrascht uns stattdessen ein Wolf.

Oder wir verbringen Stunden mit Mäusebussarden und Raben.

Genau darin liegt die Ehrlichkeit dieser Reise.

Wildlife lässt sich nicht bestellen.

Die Erfahrung von 2024 hat das eindrucksvoll gezeigt: Am ersten Tag beobachteten mehrere Adler die Situation lange aus den Bäumen, bevor äußere Störungen das Geschehen beendeten. Am zweiten Tag kamen schließlich Adler vor die Kameras – bei wenig Licht und Schneefall.

Nicht jede Situation wird zum perfekten Foto.

Aber jede Begegnung ist echt.

Zwei Tage. Ein Hide. Volle Konzentration.

Eagles & Shadows ist bewusst kompakt gehalten.

Nach der Anreise verbringen wir zwei intensive Tage in den Hides.

Früh hinein.

Spät wieder heraus.

Dazwischen gibt es nur uns, unsere Kameras und das Geschehen vor den Fenstern.

Keine Ablenkung.

Keine Programmpunkte, die abgearbeitet werden müssen.

Nur Wildlife.

Und genau das macht diesen Workshop so intensiv.

Wenn aus Warten plötzlich Action wird

Stundenlang kann fast nichts passieren.

Und dann innerhalb weniger Sekunden alles.

Ein Adler kommt tief über die Fläche.

Ein zweiter folgt.

Raben steigen auf.

Flügel schlagen.

Schnee wirbelt durch die Luft.

Oder irgendwo am Waldrand bewegt sich plötzlich eine graue Gestalt.

Dann sind sämtliche Stunden des Wartens vergessen.

Seeadler. Mäusebussarde. Raben. Füchse. Und mit etwas Glück die Schatten des Waldes – Wölfe.

Eagles & Shadows ist kein Workshop für jemanden, der eine Artenliste abhaken möchte.

Es ist ein Workshop für Fotografen, die warten können.

Die Spannung mögen.

Die auch dann aufmerksam bleiben, wenn scheinbar nichts passiert.

Denn im Winterwald kann aus völliger Stille innerhalb eines einzigen Augenblicks eine Begegnung werden, die man nie wieder vergisst.


Eagles & Shadows

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